Sternbild Schwan
Herbstobjekte: August bis Oktober
Sternbildgrafik erstellt mit Cartes du Ciel (c) Toni Mayer

Zwischen β und γ in der Leier entdeckt man schon in einem lichtstarken Nachtglas ein Objekt, das etwas diffus erscheint, jedenfalls nicht so punktförmig wie die anderen Sterne. Im Teleskop verstärkt sich noch dieser Eindruck. Wüsste man nicht, dass in der Leier kein Planet stehen kann, so könnte man an ein Planetenscheibchen denken. Deshalb auch die Bezeichnung "Planetarischer Nebel" für dieses Objekt, dem Charles Messier die Nummer 57 gegeben hat. In Teleskopen ab vier Zoll (10 cm) Öffnung wird deutlich, dass M 57 ein kleines Ringlein zeigt. Man spricht daher vom Ringnebel in der Leier. Hier hat ein alternder Stern einen Teil seiner äußeren Hülle abgesprengt, die nun wie ein Rauchring ins Weltall treibt. Neuere Entfernungsbestimmungen lassen auf eine Distanz von 1.800 Lichtjahren schließen.

Ein interessanter offener Sternhaufen findet sich im westlichen Teil der Kassiopeia, nämlich M 52. Man stößt auf ihn, wenn man den letzten Strich des Himmels-W, nämlich die Strecke α Cas - β Cas in Richtung Zenit etwa verdoppelt. Rund 200 Sterne bilden einen dichtgedrängten Haufen, der im Fernglas als Nebelfleck wahrgenommen wird, der sich im Teleskop ab 8 cm Öffnung in zahlreiche feine Lichtpunkte auflöst. M 52 hebt sich gut von seiner Umgebung ab und zeigt etwa Nierenform. Die hellsten Sterne sind um 7 mag bis 8 mag hell. Mit etwas über 5.000 Lichtjahren Entfernung gehört M 52 zu den weiter weg liegenden offenen Sternhaufen.

Ein besonderes Eldorado für Besitzer kleiner und großer Instrumente ist das Gebiet im und um den Schützen. Er steht zwar bei uns nie besonders hoch über dem Horizont, aber zur abendlichen Beobachtungsstunde kulminiert er im August - nimmt also seine höchste Stellung ein. Hier ist die Milchstraße besonders dicht und hell, und es wimmelt von offenen Sternhaufen, Kugelhaufen, Reflexions- und Emissionsnebeln sowie Dunkelwolken. Zu den bekanntesten Objekten zählen der Lagunen-Nebel (M 8) und der Trifid-Nebel (M 20). Zwischen ihnen zieht die Ekliptik hindurch. Beide Nebel gehören zu den so genannten Emissionsnebeln: Heiße Sterne regen die Gasatome und -ionen durch ihre energiereiche Ultraviolettstrahlung zum Leuchten an. Eingebettet in die Gaswolken sind Staubmassen, die vom Sternenlicht beleuchtet werden (Reflexionsnebel), teilweise aber auch dunkle Strukturen bewirken, weil sie das Licht der hinter ihnen befindlichen Sterne und leuchtenden Gasmassen absorbieren. So erscheint M 20 dreigeteilt, weshalb er Trifid-Nebel getauft wurde. M 8 wiederum wird von einem dunklen Staubband durchzogen. Der Nebel erinnert entfernt an eine Meereslagune. Beide Gasnebel sind mit rund 6.000 Lichtjahren etwa gleich weit von uns entfernt. Ein weiterer Emissionsnebel im Schützen ist M 17, von Lord Rosse als Omega-Nebel bezeichnet. Angeblich sieht er so aus wie der griechische Buchstabe ω. Manche meinen auch, hier ein Hufeisen zu erkennen, deshalb sprechen die Amerikaner bei M 17 gelegentlich vom "horseshoe-nebula". Dicht neben dem Trifid-Nebel stößt man auf M 21, einen offenen Sternhaufen. Er enthält relativ wenige Sterne und macht auch einen eher unauffälligen Eindruck. Dieses Gebiet enthält noch eine ganze Reihe weiterer offener Sternhaufen, als da sind: M 18, M 23, M 24 und M 25. Sie sind zum Teil schwierig auszumachen, da sie sich oft kaum vom dichten Sternenhintergrund der Milchstraße abheben. M 23 ist von allen noch am leichtesten zu erkennen, während M 24 in den hellen Sternwolken der Milchstraße im Gebiet des Schützen fast untergeht. Ferner finden sich noch fünf Kugelsternhaufen, nämlich M 54, M 69, M 70, M 22 und M 28. Während M 22 ein relativ einfaches Fernglasobjekt ist, macht M 28 eher den Eindruck eines diffusen, unscharf eingestellten Sterns. Erst in einem leistungsfähigen Teleskop kommt bei stärkerer Vergrößerung die vollkommene Pracht von M 28 zur Geltung. Unter Kennern gilt er als einer der schönsten Kugelsternhaufen am Firmament.

Nördlich vom Omega-Nebel trifft man auf M 16 im Schwanz der Schlange (Serpens Cauda). M 16 ist ein offener Sternhaufen, der in einem leuchtenden Emissionsnebel eingebettet ist.

Ein schönes Übungsobjekt für Einsteigerinnen und Einsteiger in die Praxis der Sternbeobachtung ist der Vierfachstern in der Leier, ε1,2 Lyrae mit der korrekten Bezeichnung. Er steht knapp neben der hellen Wega (α Lyr), dem einen Eckstern im Sommerdreieck. Schon mit guten Augen erscheint ε1,2 Lyr länglich. Sehr gute Augen trennen ihn sogar, was aber selten vorkommt, da es sich um nicht sehr helle Lichtpunkte handelt. Im Fernglas erkennt man auf alle Fälle zwei etwa gleich helle Lichtpunkte, nämlich ε1 und ε2 in 209" Distanz. Im Teleskop ab etwa 8 cm freier Öffnung (bei Spiegelteleskopen besser ab 10 cm Öffnung) erscheinen ε1 und ε2 je doppelt. Sowohl ε1 als auch ε2 sind jeweils enge Doppelsterne mit 2,5” bzw. 2,4” Distanz. Alle vier Komponenten leuchten in einem weißen Licht und sind zwischen 5 mag und 6 mag hell. Das Vierfachsystem ε Lyr ist 160 Lichtjahre von uns entfernt. Auch ζ Lyrae ist ein Doppelstern, mit 4,3 mag und 5,7 mag hellen Komponenten. Schon kleine Instrumente (ab Zweizöller) lassen die Doppelsternnatur von ζ Lyr erkennen, beträgt doch die Distanz beider Komponenten voneinander 44". Von diesem Doppelstern benötigt das Licht zu uns 155 Jahre. Übrigens: Wer mit einem Fernglas nach ε Lyr sucht, kann den Vierfachstern leicht mit δ Lyr verwechseln, denn dieser zeigt sich im Fernglas ebenfalls doppelt und steht auch nahe bei Wega. δ1 und δ2 können schon mit guten Augen getrennt werden - auf alle Fälle sieht man sie in jedem Opernglas doppelt. Mit 9' sind sie erheblich weiter voneinander entfernt als ε1 von ε2 Lyr. δ1 ist ein heißer, bläulicher Stern (Spektralklasse B3 V), der mit 5,6 mag gerade noch mit bloßen Augen zu sehen ist. δ2 wieder ist ein rötlicher Riesenstern (Spektralklasse M4 II var) mit 4,2 mag scheinbarer Helligkeit. δ1 ist rund 1.100 Lichtjahre entfernt, δ2 hingegen 900 Lichtjahre. δ1, 2 ist somit ein optischer Doppelstern, beide Sterne stehen rein zufällig in gleicher Richtung.

In der Gegend des Sternbildes Schwan trifft man auf eine Reihe von visuellen Doppelsternen, die schon in einem guten Fernglas getrennt werden können. Zu ihnen zählt der Dreifachstern ο1 Cygni, der einen hübschen Farbkontrast zeigt. Man findet ihn auf der Strecke Deneb (α Cygni) und δ Cygni. δ Cygni ist ebenfalls ein Doppelstern. Aber erst ein Sechszöller (also mit einer Öffnung von 15 cm) erlaubt, ihn zu trennen. Die 2,9 mag helle Hauptkomponente besitzt einen nur 6,5 mag hellen Begleiter in einer Distanz von 2,6”. Mitten im Sommerdreieck liegt Albireo (β Cygni), ein Paradedoppelstern für Führungen auf einer Sternwarte. Die 3,1 mag helle Hauptkomponente leuchtet orangerot und hat in knapp 35" einen bläulich weißen Begleiter mit 5,1 mag scheinbarer Helligkeit. Der Farb- und Helligkeitskontrast von Albireo beeindruckt auch Laien, die zum ersten Mal einen Doppelstern sehen. Auch 61 Cygni ist schon im Fernglas doppelt zu sehen. Die beiden 5,4 mag und 6,0 mag hellen Komponenten sind 30" weit auseinander. 61 Cygni war der erste Stern, bei dem Friedrich Wilhelm Bessel in Königsberg 1838 eine trigonometrische Fixsternparallaxe messen kommt. Die Entfernung von 61 Cygni wurde damit zu zehn Lichtjahren bestimmt. Der moderne, vom Astrometriesatelliten Hipparcos gemessene Wert, beträgt 11,34 Lichtjahre mit einer Unsicherheit von ± 0,06 Lichtjahren. Die Umlaufszeit beider Komponenten wurde zu 720 Jahre ermittelt. Die beiden 61 Cygni-Sterne sind orangfarbene Zwergsterne vom Spektraltyp K5 bzw. K7. Ihr mittlerer gegenseitiger Abstand beträgt 85 AE oder 12,7 Milliarden Kilometer. Dies entspricht etwa dem doppelten Abstand Sonne-Pluto. Sie sind alte, leuchtschwache Sonnen. Die Komponente A von 61 Cygni hat nur fünfzehn Prozent der Sonnenleuchtkraft und Komponente B gar nur ein knappes Zehntel der Leuchtstärke unserer Sonne. Ihre Massen betragen nur sechzig Prozent bzw. die Hälfte der Masse der Sonne.

Ein weiterer, nett anzuschauender Doppelstern ist γ Del im Sternbild Delfin. Die 4,3 mag helle Hauptkomponente leuchtet orange (Spektraltyp: K1) und hat in 9,1” Distanz einen 5,1 mag hellen, gelblich weißen Begleiter (Spektraltyp: F7). Ein Dreizöller trennt die Komponenten bei klarer Luft einwandfrei. Das System ist 105 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Quellenangabe: Kosmos Himmelsjahr de Luxe  /   Sternbildkarten erstellt mit Cartes du Ciel (C) Toni Mayer