Okulare

Mit den Okularen wird das anvisierte Himmelsobjekt angesehen. Das Okular vergrößert dabei die Abbildung des Objektes. Die Höhe der Vergrößerung ergibt sich aus dem Verhältnis von Teleskopbrennweite zu Okularbrennweite. Es gibt viele Oklartypen, die allesamt ihre Vor- und Nachteile haben. Auch die Okularqualitäten sind sehr variabel und die Preisunterschiede sind je nach Qualität enorm. Nicht jedes Okular verträgt sich mit jedem Teleskop, und die persönlichen Vorlieben spielen ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Auswahl des passenden Okulars. Auch eignen sich bestimmte Okulartypen mehr für die Beobachtung bestimmter Himmelsobjekte als andere. Das sind dann Spezialokulare. Allroundokulare gibt es auch. Sie eignen sich mehr oder weniger für alle Himmelsobjekte und alle Teleskoparten. Daraus ergibt sich, das man eigentlich nur empfehlen kann, Okulare vor dem Kauf mit dem eigenen Instrument zu testen, um festzustellen, ob das ausgesuchte Okular die eigenen Erwartungen erfüllt und zum Teleskop paßt. Dazu kann man die vielen Teleskoptreffen ebenso nutzen wie die Möglichkeit sich mal mit anderen Hobbyastronomen zu treffen, vielleicht ja auch bei einem entsprechenden Verein.

Wichtige Kennzahlen sind die Okularbrennweite, weil sich daraus die Vergrößerung ergibt und das scheinbare Gesichtsfeld, weil sich daraus der am Himmel zu sehende Himmelsausschnitt ergibt. Beachten sollte man, dass man die sinnvolle Maximal- und Minimalvergrößerung nicht über- bzw. unterschreitet. Die sinnvolle Maximalvergrößerung liegt bei Spiegelteleskopen bei etwa 1,5 mal dem Hauptspiegeldurchmesser in mm. Beim Linsenteleskop geht man von etwa 2 mal dem Objektivdurchmesser in mm aus. Das bedeutet also, das man die sinnvolle Maximalvergrößerung bei einen 10” Spiegelteleskop bei einer etwa 375-fachen Vergrößerung (250 mm x 1,5) und bei einem 5” Linsenteleskop bei etwa 250-facher Vergrößerung (125 mm x 2,0) erreicht hat. Die sinnvolle Minimalvergrößerung ist durch unser Auge vorgegeben. Wenn sich das menschliche Auge an die Dunkelheit gewöhnt hat - das nennt man Dunkeladaption - erreicht es eine Pupillengröße von etwa 6,5 mm. Nun soll das Lichtbündel, welches das Okular verläßt, nicht größer sein als eben diese 6,5 mm. Rechnerisch sieht das so aus, das man die Okularbrennweite durch das Öffnungsverhältnis des Teleskop dividiert. Bei einem Öffnungsverhältnis von F 1:6 und einer Okularbrennweite von beispielsweise 40 mm würde die Formel also lauten 40 mm : 6mm  = 6,6 mm. Mit diesen Okular wäre also die Minimalvergrößerung schon um 0,1 mm überschritten.

Folgende Formeln kommen in Betracht

Welche Vergrößerung wird mit einem Okular erreicht?

Teleskopbrennweite : Okularbrennweite

Welche Okularbrennweite wird für eine gesuchte Vergrößerung gebraucht?

Telekopbrennweite : gewünschte Vergrößerung

Wie groß ist der Durchmeser der Austrittpupille?

Okularbrennweite : Teleskopöffnungsverhältnis

Mit welcher Okularbrennweite erreiche ich die sinnvolle Minimalvergrößerung?

Telekopöffnungsverhältnis x 6,5

Wie groß ist der überblickte Himmelsausschnitt mit einem gegebenen Okular?

Scheinbares Okulargesichtsfeld : Vergrößerung

Wie wirkt sich eine Barlowlinse auf die erreichte Vergrößerung aus?

(Teleskopbrennweite x Verlängerungsfaktor der Barlowlinse) : Okularbrennweite  


Wichtige Okularmerkmale

Einsteckdurchmesser des Okular

Es gibt drei Einsteckdurchmesser, nämlich 0,96” (24,5 mm),
1,25” (31,7 mm) und 2” (50,8 mm).
Die Okulare mit 0,96” findet man nur noch bei den billigen Kaufhausteleskopen. Sie werden ansonsten nicht mehr verwendet. 1,25” Okulare sind als >Standard zu bezeichnen und 2” Okulare finden zumeist nur in größeren Teleskopen Anwendung.

Okularbrennweite des Okular

Die Okularbrennweite steht immer auf dem Okular. Hieraus errechnet sich wie weiter oben angegeben die erreichte Vergrößerung.

Scheinbares Gesichtsfeld des Okular

Je größer, desto besser könnte man sagen. Denn aus dem scheinbaren Gesichtsfeld errechnet sich der am Himmel zu sehende Himmelsausschnitt, also das wahre Gesichtsfeld. Die Formal dazu steht weiter oben. Wichtig ist noch zu wissen, das mit einem größeren scheinbaren Gesichtsfeld die Ansprüche an die Linsen wachsen und die Anzahl der verwendeten Linsen ansteigt, was sich natürlich preistreibend auswirkt.

Einblickverhalten des Okular

Eine Kenngröße für das Einblickverhalten ist der Augenabstand. Bei einem Augenabstand von 8 mm oder weniger ist das Einblickverhalten unangenehm. Bei 9mm bis 14 mm ist es ok für Nichtbrillenträger. Brillenträger benötigen einen Augenabstand von mindestens 15 mm.
Ein weiteres Kriterium für das Einblickverhalten ist die Ruhe des Einblicks. Dies bedeutet, das ein Okular gutmütig ist, wenn man sein Gesichtsfeld ohne Ausfälle auch noch bei nicht genau zentrischen Einblick überblicken kann.

Anzahl der verwendeten Linsen

Je weiger Glas, desto besser könnte man meinen. Das ist aber nicht unbedingt und immer richtig. Je nach der Art des Okulars sind zur Erreichung einer guten Transmission (Lichtdurchlass) und einer kontrastreichen Schärfe mehr Linsen erforderlich.

Vergütung der Okularlinsen

Hier kommen wir nun zu einem sehr wichtigen Kriterium. Von der Qualität der Vergütung ist die Transmission ebenso abhängig wie die Vermeidung von Reflexionen. Sie verursachen eine Minderung des Kontrastes. Qualitativ unterscheidet man einfache Vergütungen von Mehrfachvergütungen. Die letztgenannten sind natürlich besser. Sehr gute Okulare haben diese Mehrfachvergütung nicht nur auf der Oberseite der Augenlinse sondern auf allen Linsenoberflächen.

Die Schwärzung der Okularinnenseite

Gute und sehr gute Okulare sind innen mit einer matten Schwarzfärbung ausgestattet. Einfache Okular sind meist glänzend schwarz lackiert. Diese Okulare sollte man besser nicht verwenden, denn sie zeigen deutliche Reflexe beim Beobachten heller Himmelsobjekte, die den Kontrast sehr stark mindern.

Die Schwärzung der Linsenkanten

Alle wirklich guten Okulare haben die Linsenkanten matt geschwärzt. Das hebt den Kontrast und vermeidet Reflexe.

Das Filtergewinde des Okular

Man sollte darauf achten, dass das Okular ein Filtergewinde besitzt, das korrekt geschnitten ist und damit die Verwendung von erforderlichen Filtern ermöglicht. 


Okulartypen und ihre Einsatzgebiete

Plössl - Okular

Universalokular für alle Anwendungen und Telekope

Kellner . Okular

Unversalokular für alle Anwedungen und Teleskope

Leichte Weitwinkelokulare

Besonders gut geeignet für Dobson-Teleskope

Eudiaskopische Okulare

Besonders geeignet für die Beobachtung von Mond und Planeten durch die hohe Schärfeleistung. Sie sind für alle Teleskope geeignet

Orthoskopische Okulare

Besonders geeignet für die Beobachtung von Mond und Planeten durch die hohe Schärfeleistung. Sie sind für alle Teleskope geeignet

Mittlere Weitwinkelokulare

Besonders gut geeignet für Dobson-Teleskope und Teleskope mit bauartbedingten mittelgroßen Gesichtsfeldern

Extreme Weitwinkelokulare

Besonders gut geeignet für Dobson-Teleskope und Telekope mit baurtbedingten kleinen Gesichtsfeldern

Barlowlinse

Eine Sonderform der Gattung Okluar. Mit einer Barlowlinse wird die Brennweite des eingesetzen Okluar verlängert und evtuell auch der T2-Adapter für die Astrofotografie zur Verfügung gestellt. Mögliche Verlängerungsfaktoren liegen zwischen 1 und 5. Barlowlinsen bewirken durch die Brennweitenverlängerung eine um den benutzten Verlängerungsfaktor höhere Vergrößerung. Eine hochwertige, gute Barlowlinse stellt eine echte Alternative zu kurzbrennweitigen Okularen dar, die öfter mal ein etwas unbequemes oder problematisches Einblickverhalten aufweisen.