Sternbild Herkules
Sommerobjekte: Mai bis Juli
Sternbildgrafik erstellt mit Cartes du Ciel (c) Toni Mayer

In den Jagdhunden liegt der berühmte Spiralnebel M 51, der von Lord Rosse im Jahre 1845 als Whirlpool-Galaxy (engl. Strudel-Galaxie) getauft wurde. M 51 ist einer der schönsten Spiralnebel, die wir kennen. Allerdings sollte man mit einem Instrument von mindestens 25 cm Öffnung, also einem Zehnzöller, beobachten, damit man die Spiralarme als solche erkennen kann. M 51 ist leicht zu finden, wenn man vom ersten Deichselstern des Großen Wagens, Benetnasch oder η UMa, ausgeht. Die Galaxie M 51 ist immerhin rund 30 Millionen Lichtjahre entfernt.

Etwa 11° westlich von Spica (α Vir) im Sternbild Jungfrau trifft man auf die berühmte Galaxie M 104. Sie ist in vielen Büchern abgebildet. Da ihr Aussehen an die bekannte mexikanische Kopfbedeckung erinnert, wurde sie Sombrero-Nebel getauft. M 104 ist 8,3 mag hell und nimmt eine Fläche von 4' x 8' ein. So auffällig wie in Büchern erscheint M 104 in Amateurfteleskopen nicht. Wir betrachten M 104 von der Kante.

Eine große (6'), aber lichtschwache (9,7 mag) Galaxie ist M 61. Auch sie liegt im Sternbild Jungfrau. Mit δ und η Virginis bildet sie ein gleichseitiges Dreieck. Wir schauen auf M 61 gewissermaßen von oben herab. Die Spiralstruktur von M 61 ist jedoch nicht leicht erkennbar.

Bei mondlosem Himmel und ohne Störung durch irdische Lichtquellen ist der berühmte Kugelsternhaufen M 13 im Herkules ein schönes Paradeobjekt für den Fernglasbeobachter. Er ist der hellste Kugelhaufen des Nordhimmels und kann unter sehr günstigen Verhältnissen schon mit bloßen Augen als kleines Lichtfleckchen gesehen werden. So richtig zur Geltung kommt M 13 aber erst in einem mittleren Teleskop, in dem seine Randpartien in Einzelsterne aufgelöst werden. Etwa eine Million Sterne leuchten hier in rund 25.000 Lichtjahren Entfernung. Der scheinbare Durchmesser von M 13 liegt bei etwa einem halben Mondscheibendurchmesser. Die Sterne von M 13 nehmen ein Raumgebiet von etwa hundert Lichtjahren Ausdehnung ein.

Ein weiterer Kugelhaufen im Herkules ist M 92. Er erscheint uns kleiner als M 13 und ist mit 30.000 Lichtjahren auch weiter entfernt. M 92 ist nicht so leicht zu finden wie M 13.

Den Kugelhaufen M 3 betrachtet man am Besten nach Einbruch vollkommener Dunkelheit und ohne störendes Mondlicht. M3 liegt in den Jagdhunden an der Grenze zum Bootes, etwa in der Mitte auf der Verbindungslinie α Canes Venaticorum (Cor Caroli, Hauptstern der Jagdhunde) und α Bootis (Arktur) etwas näher bei Arktur. M 3 ist ein schöner Kugelhaufen, der schon im Fernglas leicht zu finden ist. Auffallend ist sein dichtes Zentralgebiet, das nicht genau in der Mitte, sondern etwas westlich davon liegt. Im Fernglas oder kleinen Teleskop ist M 3 nicht besonders eindrucksvoll. Erst bei einem Refraktor (Linsenteleskop) ab 10 cm Öffnung oder einem Reflektor ab 15 cm Öffnung kommt der Kugelhaufen gut zur Geltung.

Auch M 5 betrachtet man am Besten bei vollkommener Dunkelheit. M 5 liegt im Kopf der Schlange. M 5 liegt an der Grenze zur Jungfrau und ist einer der hellsten und prächtigsten Kugelhaufen des Nordhimmels - vergleichbar mit M 13. Im Fernglas oder auch im kleinen Teleskop ist M 5 nicht eindrucksvoll. Erst in einem Linsenteleskop ab 4” Öffnung oder einem Spiegelteleskop ab 6” Öffnung kommt der Kugelsternhaufen wirklich gut zur Geltung.

Ein schönes Beispiel für einen Doppelstern ist Mizar (ζ UMa), der mittlere Deichselstern im Großen Wagen. Wer gute Augen hat, sieht knapp neben Mizar noch ein Sternchen 4. Größe. Es wird Alkor oder das Reiterlein genannt. Beide Sterne stehen in knapp 709" Distanz voneinander. Sie sind ein optisches Paar, auch wenn sie mit knapp 80 Lichtjahren fast gleich weit von uns entfernt sind. Im Fernrohr ab zwei Zoll (5 cm) Öffnung wird Mizar selbst in zwei Lichtpunkte aufgelöst. Die beiden Mizarkomponenten weisen einen Abstand von 14,4” auf. Komponente A ist 2,3 mag, die Komponente B 3,9 mag hell. Ist das Gesichtsfeld so groß, dass Mizar und Alkor beide gleichzeitig zu sehen sind, erkennt man zwischen ihnen noch ein Sternchen 9. Größe.

Ein weiterer Doppelstern für einen Zweizöller (Fernrohr mit 5 cm freier Öffnung) ist Algieba (γ Leonis), der Halsstern des Löwen. Zwei orangegelbe Sterne, 2,3 mag und 3,5 mag hell, stehen in 4,7” Distanz voneinander. Sie umkreisen einander in 620 Jahren.

Wenig bekannt ist, dass auch Regulus (α Leonis) selbst ein Doppelstern ist. Der 1,4 mag helle und bläuliche Regulus vom Spektraltyp B8 hat in 175" Distanz einen nur 8,0 mag hellen, orangefarbenen Begleiter vom Spektraltyp K2. Die Umlaufszeit dieser immerhin 4.200 AE voneinander entfernten Sterne konnte noch nicht bestimmt werden, da sich die Distanz und der Positionswinkel beider Komponenten kaum ändern. Möglicherweise sind die beiden Sterne gravitativ nicht aneinander gebunden.

Der Hauptstern der Jagdhunde, α CVn oder Cor Caroli (das Herz Karls), ist ein leicht zu trennender Doppelstern. Die beiden 2,9 mag und 5,5 mag hellen Komponenten stehen in 19" Distanz voneinander. Ein Zweizöller schafft dies spielend. Die hellere Komponente α CVn ist der Prototyp einer Klasse von veränderlichen Sternen, die über ein starkes Magnetfeld verfügen, das variabel ist (so genannte Ap-Stars). α CVn ist 110 Lichtjahre entfernt.

Ein sehr enger Doppelsterne ist γ CrB in der Nördlichen Krone, ein Sternpärchen in 145 Lichtjahren Distanz. Zwei weiße Sterne mit 4,1 mag und 5,5 mag stehen in nur 0,7” Abstand am nächtlichen Himmel.

Als letzter Doppelstern sei noch Porrima (γ Virginis) empfohlen. Gegenwärtig ist Porrima ein schwieriges Objekt, was die Auflösung betrifft. Denn beide Sterne sind nur 0,8” voneinander getrennt. Noch im Jahre 2000 waren sie 1,5” getrennt, bis 2010 wird die Distanz wieder auf 1,3” anwachsen. Im Jahr 2005 wird das so genannte Periastron erreicht. Die beiden Sterne haben dann die geringste Distanz voneinander. Um sie zu trennen, ist mindestens ein Zehnzöller erforderlich. Bei Porrima handelt es sich um zwei gleich helle (3,5 mag) weiße Sterne vom Spektraltyp F0, die einander in 170 Jahren umrunden. Porrima ist mit 39 Lichtjahren Entfernung ein vergleichsweise naher Stern

Quellenangabe: Kosmos Himmelsjahr de Luxe  /   Sternbildkarten erstellt mit Cartes du Ciel (C) Toni Mayer