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Sternbildgrafik erstellt mit Cartes du Ciel (c) Toni Mayer Ein ebenfalls sehr schönes und leicht zu entdeckendes Fernglasobjekt ist der große Orion-Nebel, seine Katalogbezeichnung nach Charles Messier ist M 42, seine NGC-Nummer lautet 1976. Sie finden ihn auf der Sternbildkarte in der Bildmitte unten, südlich von den drei Gürtelsternen. Freilich erscheint er nicht in knallbunten roten und blauen Farbschattierungen. So sieht man ihn nur auf Fotos, die von Profis oder versierten Amateurastronomen auf Sternwarten gewonnen wurden. Die rote Farbe stammt von glühendem Wasserstoff. Im Fernglas sieht man ihn eher bläulich leuchten durch das am interstellaren Staub reflektierte Licht heißer, junger und leuchtkräftiger Sterne. Der Orion-Nebel ist ein echter Nebel, also kein Milchstraßensystem wie der Andromeda-Nebel, sondern eine Ansammlung von Gas- und Staubwolken in rund 1.400 Lichtjahren Entfernung. Er ist ein Sternentstehungsnest, in dem noch heute neue Sonnen geboren werden. Beeindruckend ist die große Zahl bläulich leuchtender Sterne. Die bläuliche Farbe deutet darauf hin, dass es sich um sehr heiße Sonnen handelt. Wer Erfahrung im Aufsuchen lichtschwacher Objekte hat, kann sich an M 1 im Stier versuchen. M 1 ist der berühmte Krabben-Nebel im Stier (engl.: Crab Nebula). Häufig wird er fälschlicherweise als "Krebs"-Nebel übersetzt und so manches Buch hat M 1 deshalb in das Sternbild Krebs versetzt. Dort wird man ihn jedoch vergeblich suchen. Der Krabben-Nebel ist gut ein Grad nordwestlich von ζ Tauri, dem zweiten Stierhorn zu finden. M 1 ist der Überrest einer Supernova-Detonation, die am 4. Juli 1054 von chinesischen Astronomen beobachtet wurde. Seine Entfernung von uns beträgt rund 4.000 Lichtjahre. Für das Fernglas ist M 1 ein schwieriges Objekt. im Teleskop erblickt man ein längliches, etwas verwaschenes und unregelmäßig geformtes Nebelfleckchen. Unsere Nachbarmilchstraße, meist als großer Andromeda-Nebel bezeichnet, wird häufig als das fernste, mit bloßen Augen noch sichtbare Himmelsobjekt beschrieben. Unter guten Sichtbedingungen kann man M 31 - so seine Bezeichnung im Nebelkatalog von Charles Messier - mit bloßen Augen sehen. Doch die Sichtbedingungen werden immer schlechter. Zunehmende Luftverschmutzung und immer greller werdende künstliche Beleuchtung lassen den Andromeda-Nebel immer seltener mit bloßen Augen erkennen. M 31 ist inzwischen zu einem typischen Fernglasobjekt geworden. Zur Zeit ist M 31 besonders leicht zu finden, steht er doch zur abendlichen Beobachtungsstunde fast senkrecht über unseren Köpfen im Sternbild Andromeda. Im Fernglas erscheint M 31 als mattes, spindelförmiges Lichtfleckchen. Immerhin sind mehr als 200 Milliarden Sonnen beteiligt, um diesen schwachen Lichtschimmer zu erzeugen. M 31 ist eine große Galaxie, also ein Milchstraßensystem. Trotz der riesigen Entfernung von drei Millionen Lichtjahren spricht man, wie eingangs schon erwähnt, von unserer Nachbarmilchstraße, denn andere Galaxien sind erheblich weiter entfernt. In einem größeren Teleskop zeigt M 31 einen dichten, kompakten Lichtkern und einen länglichen, spindelförmigen Lichtschleier. Spiralarme, wie sie Aufnahmen sehr großer Teleskope von M 31 zeigen, sind allerdings nicht zu erkennen. In der Nachbarschaft von M 31 ist ein weiteres Milchstraßensystem zu beobachten, die Galaxie M 33 im Sternbild Dreieck. M 33 wird daher auch Triangulum-Galaxie genannt. Auf diesen Spiralnebel sehen wir von unserer Position aus fast senkrecht drauf. Bereits ein kleines Fernglas lässt M 33 erkennen. Aber erst in Teleskopen ab 20 cm Öffnung wird die Schönheit der Spiralstruktur von M 33 deutlich sichtbar. Die Triangulum-Galaxie ist etwa gleich weit entfernt wie der Andromeda-Nebel, etwa drei Millionen Lichtjahre. Sie finden M 33 auf der Sternbildkarte links unterhalb vom Andromeda-Nebel (M31). Eine mächtige Galaxie lässt sich tief im Süden beobachten, nämlich NGC 253. Sie befindet sich im Sternbild Bildhauer (lat. Sculptor) an der Südgrenze vom Walfisch (lat. Cetus). Im Fernglas zeigt sich die Sculptor-Galaxie länglich. Man sieht diese Milchstraße fast von der Kante her. In größeren Instrumenten werden dunkle Strukturen erkennbar, die so genannten Dunkelwolken des interstellaren Staubes. Die Sculptor-Galaxie ist ein riesiges Milchstraßensystem, das sogar die Andromeda-Galaxie übertrifft. NGC 253 ist aber dreimal weiter entfernt als M 31, mithin etwa neun Millionen Lichtjahre. Auch M 15, der Kugelhaufen im Pegasus, ist noch aufzuspüren. Er steht etwa 4 nordwestlich von Enif, dem Kopfstern des Pegasus (ε Peg). Das helle Zentrum hat etwa 4' scheinbaren Durchmesser, auf langbelichteten Aufnahmen nimmt M 15 jedoch einen leicht ovalen Bereich von 12' Durchmesser ein. Die scheinbare Helligkeit von M 15 liegt bei 6 mag. Ab etwa 15 cm freier Teleskopöffnung sind die Randpartien von M 15 in Einzelsterne auflösbar. Zahlreiche Veränderliche wurden in M 15 gefunden, nämlich 112 RR-Lyrae-Sterne, alle schwächer als 16 mag. Mit Hilfe dieser RR-Lyrae-Sterne wurde die Entfernung von M 15 zu 34000 Lichtjahren bestimmt. M 15 ist auch ein intensiver Röntgenstrahler, was auf die Überreste von Supernovae schließen lässt. Bei der Durchmusterung Abendhimmels sollten keinesfalls die beiden offenen Sternhaufen Ha und Chi im Perseus vergessen werden. Schon im Fernglas sind sie ein schöner Anblick. Ihre wahre Pracht kommt allerdings erst im Teleskop bei kleiner Vergrößerung und großem Gesichtsfeld zur Geltung. Bei lichtstarker Optik glitzern die Sterne vor dem dunklen Nachthimmelshintergrund wie Edelsteine auf schwarzem Samt. Selbst die besten Fotos in Astronomiebüchern geben nur einen schwachen Eindruck davon, wie fantastisch die Sternenfülle von Ha und Chi im Teleskop auf den Betrachter wirkt. Die Entfernung beider Haufen liegt bei 8.000 Lichtjahren. In der Sternbildkarte finden Sie die Offenen Sternhaufen NGC 869/884) in der oberen, rechten Bildecke. Am Himmel liegen die Haufen zwischen den Sternbildern Kassiopeia und Perseus. Weniger prominent als Ha und Chi im Perseus, aber durchaus lohnenswert, ist der offene Sternhaufen NGC 752 mit etwa siebzig Mitgliedssternen. Er liegt etwas unterhalb von M 31. Sie finden NGC 752 in dieser Sternbildkarte links in der Bildmitte. NGC 752 bildet dabei mit M 31 und M 33 ein Dreieck. Der Haufen wirkt etwas verstreut, daher empfiehlt es sich, ihn nur mit geringer Vergrößerung zu betrachten. Bereits im Fernglas macht NGC 752 einen guten Eindruck und lässt einzelne Sterne leicht erkennen. Die Sterne dieses offenen Sternhaufens sind etwa 1.500 Lichtjahre weit weg. Drei beeindruckende, offene Sternhaufen bieten sich für den Feldstecherbeobachter im Fuhrmann an. Sie tragen die Messier-Nummern M 36, M 37 und M 38. Nur etwa 60 Sterne weist M 36 auf, die aber im Fernglas gut zu erkennen sind, nämlich als einzelne Lichtpunkte. M 37 wieder erscheint im Fernglas eher als größerer Nebelfleck, der sich erst im Teleskop in eine große Menge - nämlich insgesamt 150 Einzel-sterne auflöst. M 37 ist der größte und sternreichste der drei Haufen im Fuhrmann. Der lichtschwächste von ihnen ist M 38 mit rund hundert Mitgliedsternen. Alle drei Haufen sind um die 4.000 Lichtjahre entfernt. M 34 ist ein sehr schöner offener Sternhaufen im Sternbild Perseus und schon mit dem blossen Auge am Himmel zu erkennen. Aber dunkel sollte der Himmel schon sein, damit man das schwach leuchtende Nebelfleckchen sehen kann. Ein letzter offener Sternhaufen sei noch genannt: M 35 in den Zwillingen. Er ist am Ende der Sternenkette, die von Kastor ausgeht, zu finden, etwa 2,5° (fünf Vollmondbreiten) nordwestlich von Propus (η Geminorum). Zu den Paradedoppelsternen am Winterhimmel zählt zweifelsohne Alamak (γ Andromedae). Mit rund 10" Distanz ist er kein schwieriges Objekt für einen Zweizöller. Der 2,2 mag helle, orangegelbe Hauptstern (Spektraltyp: K2) steht in schönem Farbkontrast zum 4,9 mag hellen, weißblauen Begleiter (Spektraltyp: B8). Alamak ist 370 Lichtjahre entfernt. Die Komponente B von γ And ist ihrerseits wieder ein enger, visueller Doppelstern. B hat in nur 0,4” Distanz einen 6,3 mag hellen Begleiter. Beide Sterne umkreisen einander in nur 61 Jahren, wobei ihre mittlere, lineare Entfernung voneinander zu 40 AE bestimmt wurde, dies entspricht etwa der Entfernung Sonne-Pluto. Die Umlaufszeit der beiden Hauptkomponenten A und B von Alamak konnte noch nicht ermittelt werden, da sich Distanz und Positionswinkel nur sehr langsam verändern. Auch Mesarthim im Widder (γ Arietis) zählt zu den Paradedoppelsternen. Zwei fast gleich helle Sterne (46 und 47) stehen in 75 Abstand. Beide Sonnen strahlen weiß (Spektraltyp A1 und B9). Mesarthim ist zweihundert Lichtjahre von der Erde entfernt. Daraus ergibt sich eine mittlere lineare Distanz beider Mesarthim-Komponenten von 480 AE (72 Milliarden Kilometer). Dies entspricht einer Lichtlaufzeit von 67 Stunden. Ein relativ enger Doppelstern ist Alrescha (arab. Kordel oder Seilknoten), besser als α Piscium bekannt. Zwei weiße, 4,2 mag und 5,2 mag helle Sterne umkreisen einander in 900 Jahren. Zurzeit sind beide Komponenten 1,8” voneinander entfernt, was jeder Vierzöller (bei Spiegelteleskopen ab 15 cm Öffnung) trennen sollte. Die hellere Komponente ist ein spektroskopischer Doppelstern, von der schwächeren wird dies ebenfalls vermutet. Das Vierfachsternsystem ist knapp 140 Lichtjahre von uns entfernt. Ein sehr interessanter Stern ist Delta im Kepheus (δ Cepheï). Er gehört zu den prominentesten Variablen und ist der Prototyp einer ganzen Klasse von veränderlichen Sternen, nämlich der Delta-Cepheï-Sterne oder kurz Cepheïden. Die Cepheïden-Variablen sind für die Entfernungsbestimmung sehr wichtige Objekte, denn aus ihrer Periodendauer lässt sich ihre wirkliche Leuchtkraft ermitteln. Je länger ihre Lichtwechselperiode ist, umso leuchtkräftiger sind die Cepheden (Perioden-Helligkeits-Beziehung). Damit sind sie gewissermaßen die Leuchttürme des Universums. Sie sind außerdem die leuchtkräftigsten Sonnen im Universum. Ein durchschnittlicher Cepheïde leuchtet zehntausendmal heller als unsere Sonne. Die Helligkeit von δ Cepheï variiert in 5,37 Tagen zwischen 3,4 mag und 4,2 mag. Weniger bekannt ist, dass δ Cep auch ein Doppelstern ist, der leicht im Fernglas zu trennen ist. Die variable Hauptkomponente hat in 4,1" Distanz einen bläulichen Begleiter (Spektralklasse: B7) von 6,3 mag scheinbarer Helligkeit. Die Entfernung dieses Sternpärchens misst knapp tausend Lichtjahre. Quellenangabe: Kosmos Himmelsjahr de Luxe / Sternbildkarten erstellt mit Cartes du Ciel (C) Toni Mayer |