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Detaillierte Beschreibung des Omegon 4’’ ED Triplet APO der Pro-Serie
Die technischen Daten des Refraktor
Typ: Refraktor Bauart: ED Triplet Apochromat (APO) Markenname: Omegon Serie: Pro Öffnung: 102 mm Brennweite: 714 mm Öffnungsverhältnis: F 1:7,0 Grenzgröße: 11,8 mag Auflösung: 1,13 Bogensekunden Vergrößerungsbereich: sinnvoll bis maximal 200-fach, wobei an Planeten auch höhere Vergrößerungen möglich sind Linsenelemente: Triplet Objektiv mit hochwertigem, japanischem FCD1 ED Element Objektiv: dreilinsig mit Luftspalt, justierbar, zentrierbar Vergütung: volle Multvergütung (FMC) Streulichtschutz: innen gut geschwärzt, im Tubus integriertes Blendensystem Tubusmaterial: Aluminium, weiß lackiert Tauschutzkappe: abnehmbar Tubuslänge: 600 mm ohne Tauschutzkappe / 770 mm mit Tauschutzkappe Tubusgewicht: 5,3 kg Rohrschellen: CNC, mit Handgriff und Prismenschiene Okularauszug: 2 Zoll Aluminium Crayfordauszug mit 1:10 Untersetzung Umlenkoptik: 2 Zoll 90º Dieletric-Zenitspiegel mit 99 % Reflexion und Reduzierung auf 1,25 Zoll Sucher: 8x50, fokussierbar, Bild aufrecht stehend und seitenrichtig, mit beleuchtetem Fadenkreuz Transport: Alukoffer mit paßgenauer Einlage für den Refraktor und das Zubehör Teleskop erworben bei: AstroShop, Landsberg am Lech
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Meine Motivation zur Anschaffung eines Refraktor
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Foto (c) Toni Mayer
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Ich habe im Verlaufe meiner Beobachtungsnächte festgestellt, daß ich mich immer stärker auf die Beobachtung von Planten konzentrierte. Insbesondere zu solchen Zeiten, in denen der Mond die Deepsky-Beobachtung empfindlich störte. Andererseits war es aber auch reizvoll, gerade diesen Störenfried einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Tagsüber habe ich auch immer öfter mal die Sonne beobachtet und die Entwicklung von Sonnenflecken verfolgt. Und wenn es mal einen lichtstarken Kometen zu bewundern gab, habe ich auch diese Himmelsobjekte mit großem Interesse beobachtet und ihre Entwicklung über einen längeren Zeitraum betrachtet. Bekanntlich sind gerade Refraktoren auf diesen Beobachtungsgebieten die am besten geeigneten astronomischen Instrumente. Hinzu kam die Möglichkeit, auch das eine oder andere mal durch einen Refraktor den Himmel zu bestaunen. Dabei faszinierte mich der Anblick der stecknadelnadelgroßen, hell leuchteten Sterne. Sie sahen im Refraktor wesentlich ästhetischer aus als in meinen beiden Newton’s. Sie wirkten im wahrsten Sinne des Wortes wie kleine, schimmernde Diamanten auf einem matten, schwarzen Seidentuch. So wuchs langsam der Wunsch, diesen Himmelsanblick auch durch einen eigenen Refraktor betrachten zu können. Es war also nur noch eine Frage der Zeit, wann ich mir diesen Wunsch erfüllen würde. Nach dem Studium diverser astronomischer Foren und optischer Test habe ich mich telefonisch bei einigen mir bekannten Astro-Händlern weiter informiert. Letztendlich habe ich mich dann für den Kauf des 4 Zoll Omegon ED Triplet Apochromat aus der Pro-Serie entschieden. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren sowohl die sehr kompetente und äußerst freundliche Beratung durch Herrn Achim Mros von der Firma AstroShop in Landsberg, als auch die mir von ihm zur Verfügung gestellten Unterlagen. Dabei handelte es sich um den AtmosFringe Report des Objektiv und um den Nachweis der Zentrierung des selben im Refraktor mit Hilfe des GMK-Kollimator.
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Die notwenige Nachführung dieses Refraktors ist durch meine schon vorhandene, parallaktische Montierung Vixen Super Polaris auf dem Berlebach Eschenholz Stativ Report 2072 problemlos möglich. Das war mir auch ausgesprochen wichtig, denn ich wollte mir weder eine weitere Montierung noch ein weiteres Stativ anschaffen. Auch die sich ebenfalls schon in meinem Besitz befindlichen Gegengewichte sind ausreichend, um das Gewicht und die Hebelwirkung des ED APO auszugleichen.
Mit diesem Teleskop habe ich also nun die Möglichkeit, die oben aufgeführten Himmelsobjekte mit einem speziell dafür geeigneten astronomischen Teleskop und der passenden Nachführung zu beobachten.
Zwischenzeitlich mußte ich mich von diesem Refraktor wieder trennen, was aber nicht an der Qualität desselben lag, sondern rein persönliche Gründe hatte. Ich konnte den Tubus wegen meiner gesundheitlichen Handicaps, trotz dem eigentlich ja ziemlich geringem Teleskopgewicht und trotz dem angebrachtem Handgriff, kaum auf die Montierung heben. Ich habe diesen Refraktor nun durch einen kürzeren und leichteren ersetzt. Dabei handelt es sich um einen 80/500, f/6,3 Omegon Apochromatischen ED Refraktor aus Carbon mit einem Gewicht von nur 2,8 Kilogramm und einer Tubuslänge von 39 cm.
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Untersuchungsergebnisse zur optischen Qualität
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Foto (c) AstroShop Landsberg am Lech
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Der Zufall wollte es, dass Herr Wolfgang Grzybowski am Tag meiner Abholung des Refraktors im AstroShop anwesend war. Er hatte seine optische Bank mit samt allerlei sonstigen Gerätschaften dabei. Ich teilte Herrn Grzybowski mit, daß ich bereits im Besitz des von ihm angefertigten AtmosFringe Report sei. Außerdem könne ich auf den Nachweis der Zentrierung des Objektiv im Refraktor zurückgreifen. Diese Arbeit war von Herrn Hans Gerritsen (Support Engineer der Firma AstroShop) angefertigt und dokumentiert worden.
Da ich brennend daran interessiert war, noch mehr über die Qualität meines Refraktors zu erfahren, stellte ich Herrn Grzybowski die Frage, ob er zeitlich in der Lage sei jetzt weitere Testungen an meinem Teleskop durchzuführen. Ich sagte ihm in diesem Zusammenhang, daß auf Grund meiner persönlichen Betrachtung der Testergebnisse eine Dokumentierung der Ergebnisse nicht notwendig sei. Herr Grzybowski hatte glücklicherweise Zeit und wir einigten uns auf die Durchführung eines Test am künstlichen Stern und die Darstellung des Phasenkontrast. Im Verlaufe der durchgeführten Untersuchungen beantwortete Herr Grzybowski kompetend und ausführlich meine Fragen, und zwar in einer mir als Laie verständlichen Form. Er erklärte mir jeweils vor dem Test den Testaufbau, was ich während dem Test sehen könne und worauf ich achten soll. Abschließend schilderte er mir, wie ein optimales Testergebnis auszusehen habe. Dadurch versetzte mich Herr Grzybowski in die Lage, die optischen Abbildungen richtig zu deuten.
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Beim Test am künstlichen Stern in Autokollimation und im Fokus konnte ich eine klar definierte, runde Beugungsscheibe mit wenigen symmetrisch angeordneten Beugungsringen sehen. Die Beugungsringe der intra- und extrafokalen Beugungsscheibchen waren zentrisch angeordnet, kreisrund und hatten ähnliche Helligkeitsverteilungen. Der Bereich zwischen den Beugungsringen stellte sich dunkel dar. Die Abstände der Beugungsringe waren gleichmäßig verteilt und hatten in etwa die gleiche Breite und Stärke. Bei der abschließen Darstellung des Phasenkontrast konnte ich die sehr gleichmäßige Ausleuchtung bewundern. Die Phasenkontrastabbildung war über das gesamte Bild in einer Farbe dargestellt. Zusammenfassend kamen wir beide zu dem Ergebnis, daß in meinem Refraktor ein wirklich gutes Objektiv verbaut worden ist. Theoretisch sollte ich mit diesem Teleskop also bei der Beobachtung der oben genannten Himmelsobjekte zu guten bis sehr guten Ergebnissen kommen.
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Beurteilung der Verarbeitungsqualität
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Der Tubus ist aus Aluminium gefertigt und mattglänzend weiß lackiert. Die Lackierung ist sauber, gleichmäßig und ohne Fehlstellen aufgebracht. Die Innenschwärzung ist gut gelungen, das im Tubus angebrachte Blendensystem ergänzt den durch die Schwärzung bedingten Streulichtschutz Die Tauschutzkappe ist nicht mit einem Schiebemechanismus versehen. Sie muß zum Transport umgekehrt auf den Tubus geschoben werden. Gehalten wird die Tauschutzkappe mit zwei Schrauben, die auch mit Handschuhen gut zu bedienen sind. Dieses System hat den Vorteil, daß die Tauschutzkappe auch bei der Beobachtung im Zenit nicht nach hinten wegrutschen kann.
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Die Rohrschellen sind CNC gefertigt und paßgenau. Auf der Unterseite ist zum Schutz der lackierten Oberfläche des Tubus ein Filzstreifen angebracht.. Die Schrauben sind ausreichend groß und auch mit Handschuhen gut zu bedienen. Die Prismenschiene ist paßgenau für meine Montierung ausgelegt. Der auf der Oberseite angebrachte Haltegriff ist praktisch und erleichtert die Montage des Refraktor auf der Montierung. Die Halterung für den Sucher ist seitlich am Tubus angeschraubt. Leider ist die Halterung so montiert, daß das Einschieben des Suchers in den Halter von vorne nach hinten durchgeführt werden muß. Das ist ein wenig unpraktisch und gewöhnungsbedürftig, weil vor dem Einschieben zunächst der gesamte Tubus in den Rohrschellen nach vorne bis an den Rand der Tauschutzkappe geschoben werden muß.
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Der Okularauszug ist ein Crayfordauszug mit 1:10 Untersetzung, der natürlich geklemmt werden kann. Er ist von Haus aus sehr gut eingestellt. Die Fokussierung ist für mich genau richtig eingestellt. Sie ist leichtgängig ohne durchzurutschen und sehr gefühlvoll zu bedienen. Die 1:10 Untersetzung erleichtert die punktgenaue Fokussierung in erheblichem Maße. Der Auszug kann bis zu 110 mm heraus gefahren werden. Er ist bei meinem Refraktor gut zur optischen Achse eingestellt und justierbar. Auf dem Auszugsrohr ist eine praktische Skala in Millimetern angebracht. Die Klemmung des Zenitspiegel erfolgt schonend mit einem Klemmring. Der Zenitspiegel ist ebenfalls mit Klemmringen ausgestattet. Dadurch werden die benutzten Okulare geschont und Klemmspuren weitestgehend verhindert.
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Der Sucher hat mich mit seiner klaren und kontrastreichen Abbildungsleistung begeistert. Da er seitenrichtig und aufrecht stehend abbildet ist die Orientierung am Himmel ein Kinderspiel. Das beleuchtete Fadenkreuz ist äußerst praktisch. Beim Ein- und Ausschalten der Beleuchtung rastet der Schalter gut fühl- und hörbar ein. Der Sucher wird von schonenden Kunststoffschrauben gehalten, so daß ein Verkratzen des Suchers bei entsprechend vorsichtiger Handhabung vermieden werden kann.
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Fotos (c) AstroShop Landsberg am Lech
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Der Transportkoffer ist gut verarbeitet und mit Drehschnappschlössern versehen. Die Einlage ist zwar paßgenau, aber sehr eng ausgeführt. Das hat den Vorteil, daß der Refraktor beim Transport nicht verrutschen kann, aber auch den Nachteil, daß man beim Einlegen des Tubus sehr gefühlvoll und genau arbeiten muß. Da für die Prismenschiene eine entsprechende Vertiefung angebracht ist, liegt die Tauschutzkappe auf dem Kofferboden auf. Das könnte sich eventuell negativ auf die Justierstabilität des Objektiv auswirken, wenn es beim Transport auch mal durch Schlaglöcher geht. Außerdem liegt am anderen Ende der Okularauszug mit seinem Fokussierknopf auf dem Kofferboden auf. Ob dies auf Dauer dem Okularauszug schaden kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist allerdings relativ einfach hier Abhilfe zu schaffen. Ich habe an beiden Enden der Vertiefung für die Prismenschiene entsprechende Polster angebracht, auf dem die Prismenschiene nun aufliegt. Die Höhe der beiden Auflagen habe ich so gewählt, daß der Tubus genau waagerecht im Koffer liegt und sowohl die Tauschutzkappe als auch der Fokussierknopf des Okularauszug nicht mehr auf dem Kofferboden aufliegen.
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Beobachtungseindruck First Light und nachfolgende Nächte
Ich gebe an dieser Stelle meine ersten Eindrücke beim relativ kurz ausgefallenen First Light und der Beobachtung in der darauf folgenden Nacht wieder. Leider war der Himmel beim First Light nur zeitweise wolkenlos. Immer wieder störten durchziehende, zusammenhängende Wolkenbänder die Beobachtung. Außerdem wurde es im Verlaufe der nächtlichen Beobachtung zusehend diesiger. In der zweiten Beobachtungsnacht waren die Bedingungen erheblich besser. Erst gegen Ende der Beobachtungszeit zogen vereinzelte Cirren auf und es wurde allmählich leicht diesig. Die Durchsicht war am Beginn meiner Himmelsbeobachtungen zwar nicht exzellent, aber durchaus gut. Daher konnte ich auch den Sterntest unter relativ guten Bedingungen durchführen. Beobachtungsdauer beim First Light etwa eine Stunde und in der folgenden Beobachtungsnacht etwa dreieinhalb Stunden.
Ich habe mich wegen der zuvor geschilderten Beobachtungsbedingungen auf die für mich wichtigsten Gesichtspunkte konzentriert, um eine erste Beurteilung über die Qualität des Refraktor bei der praktischen Himmelsbeobachtung durchzuführen.
- Sternabbildung: sehr feine, kleine und gestochen scharfe Sterne
- Koma: nicht wahrnehmbar
- Kontrast: ausgezeichnet
- Bildschärfe: ausgesprochen gut
- Astigmatismus: nicht wahrnehmbar
- Farbfehler Vega: Ich sehe nur bei darauf konzentriertem Suchen einen minimalen, nicht störenden, sehr leichten blauen Farbsaum
- Sterntest: Zentrisch angeordnete, runde Ringe mit dunklen Bereichen zwischen den Beugungsringen, gleichmäßige verteilte Abstände der Beugungsringe mit ähnlicher Helligkeitsverteilung intra- und extrafokal
- Farbfehler Mond: Ich kann am Mondrand weder bei niedriger noch bei hoher hoher Vergrößerung einen Farbfehler / Farbsaum wahrnehmen. Das Mondalter betrug 13,88 Tage, die Illumination lag bei 97,2 %.
Folgende Okular habe ich bei der Beobachtung benutzt: TeleVue Radian 5 mm mit TeleVue Powermate 2-fach - Vergrößerung: 286-fach - Gesichtsfeld: 0,21° - AP: 0,4 mm TeleVue Radian 3 mm - Vergrößerung: 238-fach - Gesichtsfeld: 0,25° - AP: 0,4 mm TeleVue Radian 8 mm - Vergrößerung: 89-fach - Gesichtsfeld: 0,67° - AP: 1,1 mm TeleVue Radian 18 mm - Vergrößerung: 40-fach - Gesichtsfeld: 1,51° - AP: 2,6 mm TeleVue Plössl 32 mm - Vergrößerung: 22-fach - Gesichtsfeld: 2,24° - AP: 4,6 mm AP steht für Austrittpupille
Mein Eindruck bei der Mondbeobachtung: Ich bin einfach nur begeistert. In meinen beiden Dobsons habe ich den Mond ja schon oft beobachtet, aber ich habe ihn noch nie mit einer solchen Bildschärfe und einem derart guten Kontrast wie in meinem neuen Refraktor sehen dürfen. Insbesondere am Mondrand war der Beobachtungseindruck überwältigend. Durch die noch vorhandenen Schatten am Mondrand wirkten die Gebirge sehr plastisch. Auch die Darstellung der Mondkrater war äußerst imposant. Ein wirklicher Genuß war beispielsweise der Anblick von Erhebungen, die sich mitten in Kratern befanden, oder die steilen Wände einiger Mondkrater. Ich habe mir in dieser Nacht den gesamten Mondrand angesehen. Unter den beobachteten Mondformationen befanden sich unter anderem Pythagoras, Markov, Briggs, Seleucus, Cardanus, Krafft, Cavalerius, Ricciol, Grimaldi, Rocca, Darwin, Lagrande und Zucchius.
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