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Die Lichtverschmutzung zerstört unseren natürlich dunklen Himmel
Mit dem Begriff Dark Sky verknüpft der Astronom einen natürlich dunklen Himmel, der nicht durch die heute übliche Lichtverschmutzung (Light Pollution) aufgehellt worden ist. Lichtverschmutzung ist die künstliche Aufhellung des Nachthimmels durch Menschenhand. Sie wird verursacht durch die von der heutigen Gesellschaft erschaffenen, installierten und betriebenen Lichtquellen. Das Licht dieser teilweise unnötigen und umweltschädlichen Lichtquellen wird in den unteren Luftschichten der Atmosphäre gestreut, und hellt dadurch den Himmel künstlich auf. Sie verschmutzen somit die Dunkelheit des nächtlichen Himmel und sind in folge dessen als Teilbereich der Umweltverschmutzung zu bewerten. Die größten Verursacher unserer heute zu beklagenden Lichtverschmutzung sind sowohl die Großstädte als auch Industrieanlagen und kommerzielle Freizeitanlagen, die die Nacht durch Straßenbeleuchtung, Leuchtreklamen und Flutlichtanlagen, die sogenannte Skybeamer, erhellen. Skybeamer projizieren still stehende oder rollierende Lichtkegel an den Nachthimmel. Die Lichtverschmutzung ist also eine Folge der Industrialisierung und tritt daher und vor allem in den dicht besiedelten Landstrichen der westlichen Industrienationen auf. In Europa ist zur Zeit mehr als die Hälfte der Bevölkerung von der Lichtverschmutzung betroffen. Der jährliche Zuwachs der Lichtverschmutzung in Deutschland beträgt nach neuesten wissenschaftlichen Schätzungen derzeit um die 6 %, In einigen europäischen Ländern werden und wurden Gesetze eingeführt, um die Lichtverschmutzung in den Griff zu bekommen. Tschechien war im Jahr 2002 der Vorreiter, Italien und Spanien sollen folgen. Auch in etlichen Teilen der USA laufen Initiativen zur Vermeidung übermäßiger Lichtemission. In Deutschland ist die Gesetzeslage sehr unübersichtlich, weil bei uns zum Teil Bundesrecht oder Landesrecht und manchmal sogar kommunales Recht Anwendung findet. Dabei ist eine enorme Anzahl an Vorschriften, Verordnungen und Gesetzen zu beachten. Die Lichtglocken unserer Städte und Gemeinden und der Industrieanlagen beeinträchtigt im besonderen Maße die astronomische Beobachtung, aber auch Wissenschaft und Forschung. Über einer hell erleuchteten Stadt sind mit bloßem Auge in der Regel nur noch wenige sehr helle Sterne zu sehen. Die Zahl der mit bloßem Auge sichtbaren Sterne liegt in Gebieten mit einer großen Lichtverschmutzung meistens bei nur noch zwei- bis fünfhundert, während sie bei Beobachtungsstandorten mit kleiner Lichtverschmutzung bei bis zu dreitausend liegt. Ausgedehnte, lichtschwächere Objekte wie zum Beispiel unsere Milchstraße, die Andromedagalaxie (M 31) oder den berühmten Große Orionnebel (M 42) kann man unter den Beobachtungsbedingungen, wie sie derzeit in und um unsere großen Städte vorliegen, nicht mehr erkennen. Sternwarten, die noch vor wenigen Jahrzehnten in vielen Großstädten ihren vor allen Dingen wissenschaftlichen Betrieb aufgenommen haben, mußten diesen mittlerweile einstellen, oder an abgelegenere Orte verlagern. Wegen der enormen Lichtverschmutzung in den Industriestaaten wurden in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts viele Großsternwarten an entlegenen Plätzen, etwa in Chile, Hawaii oder auf den Kanarischen Inseln, weitab der industrialisierten Welt errichtet. Es ist mehr als bedauerlich, daß es einerseits möglich ist, daß die heutigen Berufs-Astronomen dank mehrerer Weltraumteleskope, wie beispielsweise Hubble, immer tiefer in den Weltraum vordringen, während andererseits die zunehmende Lichtverschmutzung die Sicht der irdischen Teleskope in den Sternenhimmel in immer größerem Ausmaß behindert. Davon sind naturgemäß in besonderem Maße die Amateur-Astronomen betroffen. Den Effekt der übermäßigen Beleuchtung kann man sehr zutreffend mit dem Autofahren im Nebel vergleichen. Je stärker man etwas mit den Autoscheinwerfern anleuchtet, desto weniger sieht man. Für jeden sichtbar ist die Lichtverschmutzung auch, wenn man sich in der Nacht aus der Ferne einer Großstadt nähert, wenn der Lichtschein bereits lange vor den ersten Häusern sichtbar wird. Aber nicht nur optische Systeme sind gestört, moderne Kommunikationssysteme wie sie zum Beispiel für den Betrieb von Handys notwendig sind, blenden in zunehmender Weise auch Radioteleskope, Damit sowohl die Berufs-Astronomen als auch die große Zahl der Amateur-Astronomen ihrer Arbeit bzw. ihrem Hobby nachgehen können, muß die Lichtverschmutzung in Europa zweifelsfrei zurück gefahren werden. Das dies möglich ist, haben die Länder bewiesen, in denen es schon heute die dafür nötigen gesetzlichen Regelungen gibt. Aber nicht nur die Beobachtungen der Astronomen werden durch die Lichtverschmutzung in unseren Breiten gestört. Auch viele Tiere leiden unter den Folgen die Nachterhellung. Insbesondere nachtaktive Tiere tun sich schwer damit, daß die natürliche Dunkelheit Nacht von uns Menschen zur Taghellen Nacht gemacht wird. Zugvögel werden insbesondere von den Skybeamern irritiert. Viele Insekten und Schmetterlinge müssen sterben, weil die Beleuchtungseinrichtungen unserer Zivilisation sie anziehen und viele Lampen undicht sind. Wenn die Insekten dann in den vorhandenen Spalt einer Lampe einfliegen, werden sie förmlich verdampft und sind auf der Stelle tot. Schenkt man neuesten wissenschaftlichen Vermutungen Glauben, dann kann die Lichtverschmutzung auch den Menschen krank machen. So sind demnach Einschlafstörungen in hell erleuchteten Städten um ein vielfaches höher als in den Regionen auf dem Land, in denen die Nacht noch Nacht sein darf und keine künstlichen Lichtquellen den Tag zur Nacht machen.
Aus dem zuvor geschriebenen könnte man nun den Eindruck gewinnen, daß man daran einfach nichts ändern kann, weil es offensichtlich eine mit der Industriealisierung fest verbundene Größe zu sein scheint. Dies ist aber nicht richtig. Jeder Einzelne von uns kann sein Scherflein zur Vermeidung einer unnötigen Lichtverschmutzung beitragen. Die folgenden Vorschläge sollte man dabei besonders berücksichtigen:
- Einführung von zeitlich begrenzten Beleuchtungszeiten
Die Lampe zur Terrasse oder im Hof muß nicht immer leuchten. Es genügt vollkommen, wenn sie sich durch Bewegungsmelder mit nicht zu großem Überwachungsradius dann einschaltet. wenn Licht benötigt wird
- Reduzierung unnötiger Beleuchtungsstärken
Die heute vielfach im privaten Bereich eingesetzten Flutlichter sind einfach des guten zu viel. Mann sollte die Beleuchtungsstärke auf das notwendige Maß begrenzen.
- Einsatz von effektiveren und energiesparenderen Lampen
Selbstverständlich ist bei der Form der Lampe nicht das Aussehen von Bedeutuung, sondern die Zweckmäßigkeit. Das bedeutet, daß die verwendete Lampe ihr Licht nur dort verbreiten soll, wo es auch gebraucht wird. Die erreicht man durch eine entsprechende Abschottung nach oben und zur Seite. Als Leuchtmittel sollte man in der heutigen Zeit eigentlich wann immer es möglich ist, energiesparende Leuchtstoffröhren wählen
- Gezielte Vorschläge an die eigene Gemeinde machen.
Es ist immer sinnvoll, sich auch einmal die Straßenbeleuchtung in der eignen Nachbarschaft etwas genauer anzusehen. Folgende Fragen könnte man sich stellen: Müssen es wirklich so viele Lampen sein, oder könnten die Abstände nicht verlängert werden? Gelingt es den vorhandenen Laternen, das Licht nur dorthin zu richten, wo es hell sein soll - sind also Lichtbegrenzungen nach oben und zur Seite vorhanden und sinnvoll eingestellt? Müssen die Straßenlampen eigentlich wirklich die ganze Nacht in Betrieb sein oder sollte man sie ab einer bestimmten Zeit ausstellen, weil dann erfahrungsgemäß sowieso kein Mensch mehr auf der Straße ist? Muß die Kirche X oder das Schloß Y oder die Burg Z wirklich die ganze Nacht angestrahlt werden? Muß die Gemeinde wirklich grell erleuchtete Reklameflächen zulassen, die die ganze Nacht über sinnlos eingeschaltet bleiben, ohne das sie von jemandem gesehen werden, weil der Mensch ja auch mal schlafen muß? usw.
- Gezielte und rege Beteiligung an Initiativen gegen Skybeamer und ähnlich störende Lichtquellen
Skybeamer sind eigentlich nur eine andere Art von Reklameflächen. Nur, daß diese ausschließlich in den Himmel ragen und dort ihr Unwesen treiben. Dabei gefährden, mindestens aber stören sie alle Menschen und Tiere, die sie mit ihrem hellen Strahl erreichen. Und genau gegen diese Gefährdung für Mensch und Tier gilt es ein zu schreiten.
Und dann noch ein paar Bemerkungen zum größten Problem im Bezug auf das Thema Lichtverschmutzung. Ich habe nicht alleine den Eindruck, daß wir alle der Lichtverschmutzung noch nicht den Stellenwert zuweisen, der notwendig wäre. Die Problematik der Lichtverschmutzung hat in unserer Gesellschaft, und vor allen Dingen auch in der Politik, den Kopf noch immer nicht erreicht. Das mache ich beispielsweise daran fest, daß viele Initiativen gegen unnötige und verschwenderische Beleuchtungsmaßnahmen im Sande verlaufen, weil sich viel zu wenige Menschen daran beteiligen. Auch scheint mir das Thema Sicherheit in diesem Zusammenhang völlig überbewertet zu sein. Es ist nach meinem Ermessen ein Trugschluß, daß eine gleißend helle Beleuchtung die Sicherheit erhöht. Am Tage ist es sehr hell, und dennoch geschehen ausgerechnet zu dieser Zeit die meisten Verbrechen. Eine Chance zur Lichtverminderung in der Nacht ist die Energiedebatte. Unnötige Beleuchtung kostet nämlich auch sehr viel Energie und damit Geld. Und beides steht nicht in unbegrenzter Menge zur Verfügung. Und so hoffe ich, daß sich im Laufe der Zeit die in den Himmel ragenden Lichter nicht mehr weiter erhöhen, sondern irgendwann stagnieren und sich danach rückläufig darstellen werden
Eine Vielfalt weiterer Informationen erhalten Sie beispielsweise auf der Seite http://www.lichtverschmutzung.de
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Lichtverschmutzungskarten Zentraleuropa in Google Earth
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Grafik (c) Google Earth |
Grafik (c) Google Earthh |
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Die Datengrundlage für dieses Google Earth Overlay stellen die aus den Jahren 2002, 2008 und 2009 von den amerikanischen DMSP Satelliten des Defense Meteorological Satellite Program fotografierten Bilder dar. Download Overlay 2002 - Download Overlay 2008 und 2009
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Die für 1997 kalibrierten Daten des ersten Weltatlas der Lichtverschmutzung von Pierantonio Cinzano stellen die Grundlage für dieses Google Earth Overlay dar. Download Overlay Weltatlas der Lichtverschmutzung
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Lichtverschmutzungskarte der Welt in Google Earth
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Mit Google Earth kann man sich nicht nur die Welt bei Tag ansehen - sondern auch, wie stark und wo sich die nächtliche Lichtverschmutzung auf dieser Welt ausgebreitet hat. So kann man auch für sich selbst einen dunklen Beobachtungsplatz ausfindig machen. Die Datengrundlage der in Google Earth integrierten Darstellung der Lichtverschmutzung der Erde stammt von der NASA.
Ich habe diese Darstellung rein zufällig gefunden, als ich in den diversen Ebenen, die dieses Programm zur Verfügung stellt, herum gespielt habe. Man findet die nebenstehend auszugsweise wieder gegebene Darstellung in den betagten Versionen von Google Earth in der Auflistung der Ebenen unter Empfehlungen > NASA > Earth City Lights. oder in den neueren Versionen von Google Earth in der Ebenenauflistung unter Galerie > NASA > Stadtlichter.
Download Google Earth Grafik (c) Google Earthh
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Lichtverschmutzungskarten von ausgewählten europäischen Ländern
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Die Karten von Frédéric Tapissier haben eine sehr hohe Auflösung und sind ein Abbild der Bebauungs- und Bevölkerungsdichte. Sie beruhen ausschließlich auf Kartendaten von Städten und Gewerbegebieten, denen er ganz bestimmte Helligkeiten in einer Höhe von 50° zugeordnet hat. Er stellt auf seiner Homepage allen Interessenten die Karten kostenlos zur Verfügung. Die Lichtverschmutzungs-Karten stehen für die folgenden europäischen Länder zur Verfügung: Belgien, Deutschland, Frankreich, Nierlande, Schweiz und Spanien.
Die Internet-Adrese lautet: http://avex.org.free.fr/, die deutschen Karten findet man unter der Internet-Adresse http://www.avex-asso.org/dossiers/wordpress/?page_id=2799
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