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Ein Komet ist ein die Sonne umkreisender Eiskörper, der zum Teil verdunstet, wenn er sich dem Zentralgestirn, der Sonne, nähert. Dabei bildet er eine diffuse Staub- und Gashülle und normalerweise einen oder mehrere Schweife aus.
Erdgestützte Beobachtungen von Kometen und die Untersuchungsergebnisse der Raumsonden, die 1986 den Halleyschen Kometen erforschten, unterstützen die erstmals 1949 von F. Whipple geäußerte Ansicht, daß Kometenkerne im wesentlichen einige Kilometer große schmutzige Schneebälle sind. Sie scheinen aus gefrorenem Wasser, Kohlendioxid, Methan und Ammoniak zu bestehen. In dieses Gemisch ist Staub und steiniges Material eingebettet. Bei der Annäherung an die Erde beginnt, bedingt durch die Erwärmung durch die Sonne, das Eis zu verdunsten. Gas wird frei und bildet eine leuchtende Hülle um den Kern, die man Koma nennt. Der Kern selbst ist zu klein, als daß man ihn direkt beobachten könnte.
Ultraviolett-Beobachtungen durch Raumsonden ergaben, daß Kometen von riesigen, einige Millionen Kilometer großen Wasserstoff-Wolken umgeben sind. Der Wasserstoff stammt dabei von den durch die Sonnenstrahlung aufgebrochenen Wassermolekülen. 1996 wurde vom Kometen Hyakutake Röntgenstrahlung entdeckt. Danach stellte sich heraus, daß auch andere Kometen Röntgenquellen darstellen.
Staub und Gas verlassen den Kometenkern auf der Sonnenseite und strömen in den Raum. Elektrisch geladene ionisierte Atome werden direkt vom Magnetfeld des Sonnenwindes weggefegt und bilden geradlinige Ionenschweife (die auch Typ I-, Plasma- oder Gas-Schweife genannt werden). Variationen im Sonnenwind verursachen Strukturen im Ionenschweif oder sogar Unterbrechungen, sogenannte Abreiß-Ereignisse. Kleine neutrale Staubteilchen werden nicht vom Sonnenwind mitgenommen, sondern sanft durch den Strahlungsdruck der Sonne weggeblasen. Staubschweife (auch Typ II-Schweife genannt) sind oft breit und strukturlos. Die Schweife wachsen bei Annäherung des Kometen an die Sonne; sie sind immer von der Sonne weg gerichtet und können bis zu hundert Millionen Kilometer lang sein. Große Staubteilchen werden entlang der Umlaufbahn des Kometen verstreut und bilden Meteorströme.
Trotz ihres oft dramatischen Erscheinungsbildes enthalten Kometen sehr wenig Materie, vermutlich nur ein Milliardstel der Erdmasse. Der Schweif ist so dünn, daß bei einem Umgang um die Sonne lediglich 1/500 der Kernmasse verlorengeht.
Etwa ein Dutzend neuer Kometen werden jährlich entdeckt. Einige sind kurzperiodische Kometen auf elliptischen Bahnen, die zwischen 6 und 200 Jahre für einen Umlauf brauchen. Die meisten sind langperiodische Kometen auf ausgeprägt exzentrischen Bahnen, so daß die Bahnperiode viele tausend Jahre beträgt. Kurzperiodische Kometen kreisen nahe der ekliptischen Ebene, langperiodische Kometen dagegen sind nicht an die Vorzugsebene des Sonnensystems gebunden.
Nach mittlerweile gängiger Meinung stammen viele Kometen aus einer kugelförmigen Wolke, die das Sonnensystem in einer Entfernung von etwa 50.000 AE umgibt. Dieses Kometen-Reservoir nennt man die Oortsche Wolke. Andere scheinen aus dem Kuiper-Gürtel zu kommen, der jenseits der Neptunbahn liegt. Die kurzperiodischen Kometen sind innerhalb des Planetensystems durch gravitative Bahnstörungen eingefangen worden, was vermutlich von ihrer Annäherung an Jupiter herrührt.
Wird ein neuer Komet entdeckt oder ein periodischer Komet wiederentdeckt, erhält er eine Bezeichnung, die aus dem Jahr und einem Großbuchstaben besteht, der den Halbmonat der Entdeckung angibt. Z. B. A = 1.-15. Januar, B = 16.-31. Januar ... Y = 16.-31. Dezember. Das Präfix P/ wird bei kurzperiodischen Kometen und C/ bei langperiodischen Kometen hinzugefügt. Periodische Kometen, die verschwunden sind oder sich aufgelöst haben, erhalten das Präfix D/. Neue Kometen werden nach ihren Entdeckern benannt, wobei bei mehreren unabhängigen Entdeckern höchstens drei Namen zugelassen sind. Einige Kometen tragen auch die Namen der Personen, die ihre Bahn berechnet haben (z.B. Halley und Encke), oder sind nach Observatorien oder Satelliten benannt, falls die Entdeckung im wesentlichen auf die Bemühungen eines Teams zurückgeht. Ist ein kurzperiodischer Komet definitiv als solcher bekannt, erhält er zudem eine Nummer (z.B. 1P/Halley).
Dieses Bezeichnungssystem für Kometen wurde 1995 eingeführt. Vor 1995 erhielten Kometen eine Bezeichnung, die aus dem Entdeckungsjahr und einem folgenden kleinen Buchstaben bestand, der vorübergehend die Reihenfolge der Entdeckung in jenem Jahr angab. Später wurde dieser Buchstabe durch eine 'dauerhafte' Bezeichnung in Form einer römischen Zahl ersetzt, die die Reihenfolge des Periheldurchgangs im entsprecheden Jahr angab.
Die letzte Entscheidung der Namensgebung liegt bei der International Astronomical Union. Deren Zentrale koordiniert die Entdeckungsberichte und Beobachtungen und verteilt Informationen an die Abonnenten.
Quellenangabe: Astronomie-Lexikon RedShift, NASA, IAU, ESA und Wikipedia
Bilder (c) NASA
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